Digitalisierung der Ausbildung: alles Plattform oder was?

Wir sind in den letzten Wochen verstärkt von Unternehmen und Verbänden kontaktiert worden zu der Frage, wie denn unsere Erfahrungen mit Projekten zur Digitalisierung der Ausbildung aussehen und welche Plattformen eine Rolle spielen.

Der erste Reflex vieler Ausbildungsunternehmen ist die Frage des zu erwartenden Nutzens und der Passfähigkeit der Digitalisierung in die vorhandene Ausbildungslandschaft. Aber eines dürfen wir nie vergessen: die Zielgruppe sind Mitglieder der Generation Z (mindestens jedoch Y). 

Unsere Erfahrungen in Projekten zum digitalen Lernen (u. a. Audi AG, ThyssenKrupp Industrial Solutions, Steag) besagen, dass der Schritt ins digitale Lernen durchaus komplex ist.




1. RICHTIG IST, dass, ..
  • bisherige (formale und nichtformale) freie Bildungsportale von Jugendlichen selten freiwillig viral angenommen werden, 
  • gleichzeitig besteht die Anforderung nach einer starken Verkürzung der Informationen (Inhalt), der Anforderungszeit und der Situation (Demand), was die Anforderung an die Didaktik erhöht.  


2. Wir haben seitens der Unternehmen immer ein Nebeneinander formaler und nichtformaler Lernformen festgestellt, die folgende Mindestziele erfüllen sollten:
  • zeit- und ortsunabhängiges Lernen,
  • selbstgesteuerte Lernprozesse/lebenslanges Lernen weiterentwickeln,
  • kollaboratives Lernen fördern und 
  • die Möglichkeit der Entwicklung/Weiterentwicklung von Lernen im/am Prozess der Arbeit beinhaltet.

3. Jugendliche präferieren für das digitale Lernen den Multi-Channel-Ansatz, den sie bereits im Kindesalter erlernt haben. Sie kennen und nutzen seit Jahren:
  • ein allgemeines Portal für (fast) alle Fragen: Google (nicht zu vergessen: Marktanteil in Deutschland aktuell 91%)
  • ein allgemeines Portal für Definitions-Fragen: Wikipedia,
  • ein allgemeines Portal für Video-Tutorials: YouTube,
  • allgemeine oder spezifizierte Communities (z. B. Gute Frage.net)
  • ggf. spezifizierte Gaming-Plattformen (z. B. Stream),
  • ggf. mehrere spezifizierte Fach-Portale.

Jugendliche vermissen deshalb keine "ÜBER-Plattform", weil sie ja mit der Multi-Kanalität aufgewachsen sind. Was sicher interessant wäre, sind weitere "How To`s" für spezielle Branchen. Unternehmen setzen unterschiedliche Plattformen ein, am besten läuft es dort, wo legale Öffnungen zu den von Jugendlichen bekannten o.g. Portalen zugelassen sind.  

Was in allen freien nichtformalen o.a. Plattformen aus Sicht der Ausbilder fehlt, sind allerdings (selektive) Kompetenzmessungen jenseits von Prüfungen, die es in formalen Lernplattformen gibt. Zwischenzeitlich sorgt das Web auch hier für Abhilfe: für viele Themen existieren witzige und didaktisch gute Quiz und sogar seriöse Spiele.

Selbst erstellte Videosequenzen können als Tutorials, aber auch zur Kompetenzmessung dienen, denn sie verkörpern ihrerseits die Kombination medialer Grundkompetenz mit projektualen, sozialen und v.a. fachlichen Kompetenzen. Das können wir aus o. a. Projekten bestätigen. Um für alle Beteiligten erfolgreich zu sein, erfordert diese Selbsterstellung von Video-Sequenzen allerdings Zusatz-Kenntnisse, die Zeit und sicher auch ein bisschen Geld kosten. Trotzdem: es bleibt eben nur eine Komponente.

4. LÖSUNGSANSATZ:

Der Lösungsansatz wird u. E. NICHT eine Plattform sein. Wir glauben, dass die Lösung eine sinnvolle Auswahl und intelligente Vernetzung zwischen den o.g. Plattformen ist.

Die Zukunft wird uns zeigen, inwieweit interaktive Bücher (ebooks oder Books)  eine Teillösung sein können, indem sie eine Art Filter für den Multi-Channel-Ansatz darstellen.

Es bleibt spannend und wir berichten in diesem Forum weiter.





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